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Psychotherapie

Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Seit 1998 gibt es ein Psychotherapeutengesetz. Es beschreibt Psychotherapie so: „Ausübung von Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert [...] Zur Ausübung von Psychotherapie gehören nicht psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben."

Bei der Psychotherapie handelt es sich also um ein Verfahren zur Behandlung psychischer Erkrankungen. In Abgrenzung zu einer psychiatrischen Behandlung, bei der der Schwerpunkt auf dem Einstellen einer geeigneten Medikation liegt, ist das Hauptinstrument der Psychotherapie das Gespräch. Aber auch andere Techniken, wie Verhaltensübungen, Achtsamkeitsübungen, Imaginationen, Entspannungstechniken, Hypnose, Expositionen und vieles mehr können zum Einsatz kommen. 

Es gibt verschiedene Psychotherapierichtungen. Wissenschaftlich anerkannt sind derzeit die "Verhaltenstherapie", die "Psychoanalyse" und die "tiefenpsychologische Psychotherapie". Diese drei Richtungen unterscheiden sich in ihrer Erklärung von psychischen Störungen, der Auffassung über die Entstehung sowie der Aufrechterhaltung der psychischen Probleme. Da ich in der Fachkunde Verhaltenstherapie ausgebildet bin, finden Sie weiter unten Informationen zu dieser Psychotherapierichtung. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Psychotherapeutenkammer NRW.

Psychotherapie ist beispielsweise bei den folgenden psychischen Erkrankungen hilfreich:​

  • Abhängigkeitserkrankungen: Alkohol-/Drogenabhängigkeit, Kaufsucht, Internetsucht

  • Affektive Störungen: Depression, Dysthymia, bipolare Störungen

  • Angststörungen: Agoraphobie, Spezifische Phobie, Soziale Phobie, Panikstörung, Generalisierte Angststörung

  • Belastungsstörungen: Anpassungsstörung (z.B. nach Trennung oder Tod eines geliebten Menschen, durch Arbeitslosigkeit oder berufliche Überforderung), Burnout-Syndrom, Posttraumatische Belastungsstörung, Traumafolgestörungen

  • Essstörungen: Anorexie, Bulimie, Binge Eating (Essanfälle), Spezialfall: Adipositas*

  • Persönlichkeitsstörungen/Beziehungsstörungen: Borderline-Persönlichkeitsstörung, abhängige, zwanghafte oder narzisstische Persönlichkeitsstörung

  • Psychosomatischen Erkrankungen: häufige Durchfälle, Bauchschmerzen, Übelkeit bis hin zu Erbrechen, ständiger Harndrang, Spannungskopfschmerz, Migräne, Tinnitus

  • Schlafstörungen: Alpträume, Ein-/Durchschlafstörungen, frühmorgendliches Erwachen

  • Somatoforme Störungen: Schmerzstörung, hypochondrische Störung, Somatisierungsstörung

  • Zwangsstörungen: Zwangshandlungen und –gedanken (z.B. Ordnungszwang, Waschzwang, Sammelzwang)

 

*Adipositas ist keine psychische Erkrankung. Durch die im Kontext der Adipositaserkrankung entstehenden Belastungsfaktoren kann es jedoch zur Entwicklung einer anderen psychischen Erkrankung, z.B. Depression, kommen. Darüberhinaus kann eine psychologische Beratung (insbesondere mit verhaltenstherapeutischer Ausrichtung) dabei helfen, die Adipositas zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern und gesunde Gewohnheiten zu fördern.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist eine von drei großen Psychotherapieschulen, die wissenschaftlich anerkannt sind (Psychotherapeutengesetz, 1998). Sie wurde darüber hinaus am intensivsten wissenschaftlich untersucht. Ihre Wirksamkeit ist bei vielen psychischen Erkrankungen belegt. Deshalb ist sie von privaten und gesetzlichen Krankenkassen sowie Beihilfestellen anerkannt, die die Kosten der Behandlung in der Regel übernehmen.
Die Verhaltenstherapie basiert auf der Annahme, dass sich Denk-, Verhaltens- und Gefühlsmuster aufgrund von Lernprozessen und Erfahrungen bilden, die in einer früheren Lebensphase wichtig sind, um sich den vorherrschenden Umständen anzupassen und zurechtzukommen. Sind diese Muster sehr starr und tief verwurzelt, kann es bei einer Änderung der Lebensumstände zu Anpassungsschwierigkeiten, Beeinträchtigungen und Leid kommen. Zum Beispiel kann es für Jemanden, der*die in der Lebensgeschichte viel auf sich selbst gestellt war (beispielsweise aufgrund von vernachlässigenden oder häufig abwesenden Eltern) und lernen musste, allein zurecht zu kommen und alles im Griff zu haben, später schwierig sein im Team zu arbeiten, dem*r Partner*in zu vertrauen und Kontrolle abzugeben. 
Mithilfe der Verhaltenstherapie sollen neue Erfahrungen gemacht werden, sodass ein Umlernen stattfinden und gesunde Muster sich entwickeln können.
Ihre Anfänge hat die Verhaltenstherapie in den 50er und 60er Jahren, weshalb sie heute viele Methoden und Weiterentwicklungen beinhaltet. Der Begriff Verhaltenstherapie hat sich zu einer therapeutischen Grundorientierung entwickelt, die eine große Zahl von Vorgehensweisen mit gemeinsamen Grundprinzipien umfasst.

 

Wichtige Grundprinzipien der Verhaltenstherapie:

  • Verhaltenstherapie orientiert sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen.

  • Verhaltenstherapie ist problem- und lösungsorientiert.

  • Verhaltenstherapie setzt an den prädisponierenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Problembedingungen an.

  • Verhaltenstherapie ist handlungsorientiert.

  • Verhaltenstherapie findet auch mal außerhalb der Therapieräume statt.

  • Verhaltenstherapie ist transparent.

  • Verhaltenstherapie soll „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein.

  • Verhaltenstherapie ist individuell und stellt den einzelnen Menschen in den Vordergrund.

Mittlerweile spricht man von der 3. Welle der Verhaltenstherapie. Das besondere an diesen neuen Methoden ist, dass sie hilfreiche Elemente aus anderen Therapieschulen integrieren und im Gegensatz zur 1. Welle (die nur das Verhalten betrachtete) und der 2. Welle (die Gedanken in das Behandlungskonzept mit aufnahm) auch Gefühle und tiefer verwurzelte Muster/Schemata mit einbezieht.

Einige Beispiele für diese neuen Therapieansätze sind:

  • Achtsamkeit: Mindfulness-based Stress Reduction (MBSR nach Kabat-Zinn), Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBCT nach Segal & Williams), Mindful Self-Compassion (MSC nach Germer & Neff)

  • Akzeptanz- and Commitment-Therapie (ACT nach Hayes)

  • Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP nach Mc Cullough)

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT nach Linehan)

  • Schematherapie (nach Young)